Wie du dich auf eine Auszeit vorbereitest – innerlich und äusserlich
Von Hanspeter | Casa Coerente

Der Entschluss steht – und jetzt?
Du hast dich entschieden. Du nimmst dir eine Auszeit. Vielleicht war es ein langer Prozess, vielleicht kam es plötzlich – aber irgendwann hast du gespürt: Es ist Zeit. Zeit, innezuhalten. Zeit, rauszutreten aus dem Hamsterrad. Zeit, wieder zu dir zu finden.
Und dann kommt dieser Moment, in dem du dich fragst: Wie bereite ich mich eigentlich darauf vor?
Heute möchte ich dir ein paar Gedanken dazu mitgeben. Eine Einladung, dich auf verschiedenen Ebenen auf das einzulassen, was kommt.
Die äussere Vorbereitung: Raum schaffen
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Dem Äusseren. Dem Praktischen. Weil es oft das Erste ist, was uns beschäftigt – und weil es uns Sicherheit gibt.
Zeitraum und Rahmen klären
Wie lange soll deine Auszeit dauern? Eine Woche? Zwei? Länger? Es gibt keine richtige Antwort. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mindestens eine Woche braucht, um wirklich anzukommen. Die ersten Tage bist du oft noch im alten Modus. Der Kopf rattert, die To-do-Listen laufen weiter, der Körper ist noch angespannt. Allmählich beginnt sich etwas zu lösen.
Wenn du kannst, gib dir mehr Zeit als du denkst.
Berufliches und Privates regeln
Kläre, was geklärt werden muss. Übergaben im Job, Verantwortlichkeiten zu Hause, Termine, die verschoben werden können. So gibst du deinem Kopf die Erlaubnis, wirklich loszulassen.
Sag den Menschen in deinem Leben, dass du eine Auszeit nimmst. Du musst dich dafür nicht rechtfertigen. Ein einfaches „Ich brauche das jetzt" reicht. Wer dich liebt, wird das verstehen. Und wer es nicht versteht – nun, vielleicht ist das auch eine Information.
Erreichbarkeit bewusst gestalten
Das ist ein heikles Thema. Viele Menschen haben Angst davor, nicht erreichbar zu sein. Was, wenn etwas passiert? Was, wenn man mich braucht?
Mein Vorschlag: Definiere eine Notfallperson. Jemand, der dich im absoluten Notfall erreichen kann. Und dann leg das Handy weg. Für die meiste Zeit. Du wirst erstaunt sein, wie wenig wirklich dringend ist, wenn du nicht ständig draufschaust.
Die Welt dreht sich weiter, auch ohne deine permanente Aufmerksamkeit. Und das ist eine wunderbar befreiende Erkenntnis.
Packen: Weniger ist mehr
Pack leicht. Du brauchst weniger als du denkst. Bequeme Kleidung, gute Schuhe für die Natur, etwas zum Schreiben. Vielleicht ein Buch, das dich schon lange ruft. Die Arbeitsmaterialien, den Laptop, die Akten – die dürfen zu Hause bleiben.
Du kommst hierher, um zu sein. Einfach zu sein.
Die innere Vorbereitung: Dich selbst einladen
Und jetzt wird es spannend. Die äussere Vorbereitung ist der einfache Teil. Die innere Vorbereitung macht den eigentlichen Unterschied. Und gleichzeitig ist sie das, was die meisten Menschen überspringen.
Erwartungen loslassen
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt. Komm offen. Komm neugierig. Komm mit leeren Händen und einem weiten Herzen.
Vielleicht geschieht etwas Unerwartetes. Vielleicht etwas ganz Stilles. Vielleicht etwas, das du dir jetzt noch gar nicht vorstellen kannst.
Ich habe Menschen begleitet, die kamen mit einer klaren Frage – und gingen mit einer ganz anderen Antwort. Die Auszeit hatte tiefer gewirkt, als der Verstand es geplant hatte.
Lass dich überraschen. Das Leben ist gut darin, uns genau das zu geben, was wir brauchen – wenn wir aufhören, ihm vorzuschreiben, wie es aussehen soll.
Dich mit deiner Angst anfreunden
Ja, da wird Angst sein. Das ist normal. Angst vor der Stille. Angst vor dem, was hochkommen könnte. Angst vor der Leere. Angst, dass du merkst, dass vieles in deinem Leben nicht mehr stimmt.
Diese Angst zeigt dir, dass du auf dem richtigen Weg bist. Wirkliches Wachstum beginnt dort, wo die Komfortzone aufhört.
Du musst die Angst nicht besiegen. Du musst sie auch nicht verstehen. Nimm sie einfach mit. Wie einen Reisebegleiter, der irgendwann leiser wird, wenn er merkt, dass du ihm nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkst.
Deinem Körper zuhören
Dein Körper weiss oft mehr als dein Kopf. Wenn du in den Wochen vor deiner Auszeit plötzlich müder bist als sonst, mehr Schlaf brauchst, empfindlicher reagierst – dann ist das kein Zufall. Dein System bereitet sich vor. Es beginnt schon, loszulassen.
Hör ihm zu. Geh früher ins Bett. Iss bewusster. Beweg dich in der Natur. Schenk dir diese kleinen Momente der Fürsorge.
Ein Ritual des Abschieds
Das mag ungewöhnlich klingen, aber ich empfehle es aus Erfahrung: Schaffe dir ein kleines Ritual, bevor du gehst. Etwas, das den Übergang markiert. Das kann ein Spaziergang sein, bei dem du bewusst alles loslässt, was du zurücklässt. Ein Brief an dich selbst, den du erst nach der Auszeit öffnest. Oder einfach ein Moment der Stille, in dem du sagst: Ich bin bereit. Ich weiss nicht, wofür – aber ich bin bereit.
Rituale helfen unserem Unterbewusstsein zu verstehen, dass etwas Neues beginnt. Sie schaffen eine Schwelle zwischen dem Alten und dem, was kommen darf.
Was du nicht vorbereiten kannst – und warum das gut ist
Es gibt Dinge, die lassen sich nicht vorbereiten. Den Moment, in dem die Stille dich zum ersten Mal wirklich berührt. Die Tränen, die kommen, ohne dass du weisst warum. Das Gefühl, zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich da zu sein. Die Klarheit, die plötzlich auftaucht, wenn der Lärm verstummt.
Das alles lässt sich nicht planen. Und genau das macht eine Auszeit so wertvoll. Ein lebendiger Raum, in dem das Leben selbst zu dir sprechen darf.
Deine einzige Aufgabe ist es, da zu sein. Offen. Ehrlich. Bereit, dir selbst zu begegnen – mit allem, was dazugehört.
Eine persönliche Einladung
Wenn du spürst, dass eine Auszeit das Richtige für dich sein könnte, dann vertrau diesem Gefühl. Es muss nicht perfekt vorbereitet sein. Den richtigen Zeitpunkt gibt es nämlich nie.
Es braucht nur diesen einen Schritt: Die Entscheidung, dir selbst wichtig genug zu sein.
Im Casa Coerente in Cavergno, im Herzen des Maggiatals, begleite ich Menschen auf diesem Weg. Individuell, ohne starres Programm, in deinem Tempo. Du kannst auch eine Auszeit ohne Begleitung nehmen – einfach ankommen, zur Ruhe kommen, die Natur auf dich wirken lassen.
Wenn du magst, lass uns in einem unverbindlichen Gespräch herausfinden, was du gerade brauchst. Manchmal reicht schon ein erstes Gespräch, um Klarheit zu gewinnen.
Mehr erfahren: begleiteteauszeit.ch
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Hanspeter begleitet Menschen im Casa Coerente im Tessin auf ihrem Weg zurück zu sich selbst. Nach seinem eigenen Wendepunkt hat er sein Leben neu ausgerichtet und unterstützt heute andere dabei, ihre wahre Essenz wiederzuentdecken.
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